Best of both worlds, best in both worlds.
Es gibt immer noch das Usenet und manches von dort will ich auch hier verewigen.
So auch die Erzählung vom gestrigen Nachmittag:
Der Tod ist bekanntlich des Wichts ständiger Begleiter, wenn schon nicht im Beruf (was ist in der Anatomie eigentlich ein ‘Director’s Cut’?), dann plakativ in Totenschädelform auf den T-Shirts, die der Anatom in der Freizeit gerne am Leibe trägt.
Gestern war das allerdings nicht der Fall, auch galt unser Interesse eher dem Leben. Genauer gesagt, sollte die NSU (nunmehr auf 600 selbige aufkubikzentimeteriert) zum Leben erweckt werden.
Als Kreißsaal diente der wohlbekannte Hinterhof in Rödelheim und bei bestem Wetter und heiteren Gemüts allenthalben versorgten wir uns erst mal mit einem Bier.
Mopped ins Licht schieben.
Endtopf dranmachen – der bisweilen ungnädige Nachbar war schon in Kenntnis einer geplanten Ruhestörung gesetzt worden und hatte uns für den Samstag Dispens erteilt, nur der Sonntag sei ihm heilig.
Sei’s drum.
Helmut bricht den Rekord im unnütz-Treppen-laufen, bringt aber neben gut gefüllten Bieren auch den ebensolchen Tank aus dem Keller mit.
Der passt auch nach ein paar bangen Momenten – vieles andere tat und tut das nicht, der neue Motor bringt doch teils geringfügig, teils massiv andere Abmessungen und Passungen mit sich.
“Geh mer fodd” sagt Helmut und will nicht von vergangenen Qualen erzählen.
Die Benzinleitung muss verlängert werden, die Hupe schrauben wir verkehrt an, alles ist ein wenig gefrickelt, aber schließlich soll ja kein finales Werk entstehen, nur des Funktionierens des neuen Triebsatzes wollen wir uns versichern.
Der Vergaser ist dicht.
Das freut den Wicht.
Probehalber wird der Kickstarter mal betätigt.
*tschuuuumpf*
Das ging nicht wirklich leicht.
Und dabei ist noch nicht mal die Zündkerze drin.
Die Batterie ist nicht wirklich leistungsfähig und wir beschließen, ihr und uns ein Ladepäuschen zu gönnen. Die Batterie kommt an den Strom und wir an den Tisch zum Bier.
Frauen…
Bücher…
Die Kunst, der Tod…
Der Sinn von Dekohebeln…
Egal, nach einer Viertelstunde schreitet Helmut zum nächsten Versuch, ich stelle mich in sicherem Abstand auf und warte darauf, dass der Kickstarter
den Wicht in lichte Höhen der Kastanie pfeffert.
Notrufnummer im Handy sicherheitshalber aufrufen.
Batterie rein, Zündkerze rein, Stecker drauf.
Zündung auf Spät, Choke, Hebel hier, Tupfer da, Ausklappen des Kickers und…
*tschuuklick*
Immerhin.
Das waren schon mal solide 5 Zentimeter, die sich der Hebel nach unten drücken ließ.
Zweifel in Wichts Gesicht.
*tschupppklick*
Das waren zehn und dafür ist Helmut fast einen halben Meter hochgehüpft.
“Da ist ein mechanischer Widerstand” ist ein kurzer und sehr transparenter Versuch, eine Ursache zu konstruieren, die es nicht gibt.
Der Motor ist einfach zu fett, um ihn einfach so anzukicken, wie es scheint.
Außerdem ist gerade die schicke Hülse vom Hebel abgefallen. Die schrauben wir wieder dran.
*tschuuklickick*
Vier oder fünf weitere ähnliche Versuche, dann ist Helmut platt, keine Chance, über OT zu kommen.
Ich vermeine, den Motor grinsen zu sehen.
Im Film würde jetzt eine mit Weichzeichner und Hall verbrämte Rückblende kommen, in der Helmut im Hof des NSU-Schraubers vernehmlich sagt “Dekohebel? Kinderkram, das kicken wir einfach so an.” Stefan, der nämliche Schrauber produziert ein feines Lächeln… </rueckblende>
Belustigt und nicht wirklich enttäuscht schieben wir also die NSU wieder auf die Hebebühne und nehmen Planungen für Canossa-Anrufe am Montag beim NSU-Schrauber auf.
Mal schauen, ob die Wappnung gegen die zu erwartende Häme sich auszahlt.

Sieht aus wie eine Wattwanderung, gell?
So kamen wir uns teilweise auch vor, nachdem wir es geschafft hatten, am Samstag morgen vormittag auf der Veterama einzutreffen.
Als morgens der Wecker lostobte, lag ein Tag vor mir, der mit ‘Das Schicksal schmeißt dir einen Haufen unterschiedliche Knüppel zwischen die Beine, selbst schuld, wenn es dir immer noch Spaß macht’ hätte überschrieben werden können.
Wecker um 7:00 Uhr am Samstag ist ja schon perfide. Das Wetter setzte aber locker noch einen drauf: Es schüttetete eimerweise. Ganz tolle Aussicht für einen Messebesuch.
Nach ereignisarmer Fahrt dann ein Stau, der das hier beschriebene Anfahrtschaos zum heiteren Ausflug degradierte.
Wir waren um halb neun an der Autobahnausfahrt und benötigten für die letzten anderthalb Kilometer dann nur knapp zwei Stunden.
Aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaahhh.
Sowas sorgt ja grundsätzlich für eine gelassene Grundstimmung.
Drinnen wurde es dann wenigstens spannend, denn es galt, nicht komplett abzusaufen, wenn man durch die engen Gänge stapfte (mit Millionen anderer Alteisenfreunde), was sich am nächsten Tag in einem veritablen Muskelkater bei mir bemerkbar machte. Gemütlich irgendwo langschlendern ist doch nicht zu vergleichen mit der Fortbewegung, die vom Storch im Salat abgeschaut scheint
Ziel der ganzen Aktion war es, einen hübschen Tank für die MZ zu schießen, das Projekt ‘Wir vermurksen eine Zonenfeile’ will endlich in Angriff genommen sein.
Allerdings sollten wir nicht fündig werden. Schöne Gewerke waren rar und unvorstellbar teuer, Dutzendware war halt genau solche und der Funke sprang nicht über. Für Funken war es auch zu nass.
Mancherorts wurden die Untiefen durch Stroh kaschiert, welches gemeinerweise schwimmt. Man tritt also auf die Strohunterlage und geht bis zum Knöchel unter.
Ganz große Klasse.
Erst mal Pause nach gefühlten 100km im Matsch.
Bratwurst.
Bier.
Danach weiter. Schrott in allen Farben und Formen, dazwischen schöne alte, teure Motorräder. Oder alte, schön teure Motorräder. Männer mit halben Harley-Rahmen auf dem Buckel, andere mit Wägelchen, wahlweise mit Bierflaschen (meist leer) oder irgendwelchem undefinierbaren metallenem Unrat gefüllt.
Helmut stellt fest, dass die Gleichberechtigung angesichts der Veterama genauso versagt wie die Nachwuchsförderung. Aber ist auch klar, um Nachwuchs zu gebären, braucht es Frauen, die sind aber entweder nicht da, sehen aus wie Männer oder sind genervt von ihren Begleitern ‘Guckma, ist doch toll und kaum verrostet…’ ‘Geh fort mit deinem Plunder, du machst mir die Sachen dreckig’.
Und immer noch kein Tank, der gefällt. Helmut findet wenigstens ein wenig Werkzeug zum Erwerb, nimmt aber von der Drehbank im Köfferchen wieder Abstand, es gäbe ja schon schöne Sachen… Ich liebäugele mit meiner eigenen Gemisch-Tankstelle, aber meine Frau will nicht in den Knast und ich will nicht tot sein, also lass ich das auch.
Irgendwann wollen meine Fortbewegungsdings dann nicht mehr so recht und ich beschließe, jetzt behindert zu sein.
Wir schleppen uns also (im strahlenden Sonnenschein) zum Auto und dieses auf dieselbige -bahn, wo wir nach ein paar Kilometern wegen einer Vollsperrung unsanft eingebremst werden.
Im dumm rumsitzen haben wir aber mittlerweile Routine und nutzen die Spielsachen, die da sind, Helmut spielt mit dem Navi ( so eines soll ja mal auf die NSU) und ich lese Mails.
Die Moderne halt.
Zuhause angekommen wartet die Badewanne auf mich und am nächsten Tag kann ich mich kaum bewegen, so sehr beschweren sich die Beine.
Aber es war trotzdem unterhaltsam. Sehr sogar.
Im Frühjahr fahren wir wieder hin.
Vielleicht.
“Morgen…” sagte Helmut am Mittwoch abend am Telefon “…habe ich frei und werde mal mit der NSU nach Fulda fahren…” Nach solchen Sätzen folgt gerne mal eine künstlerisch wertvolle Pause.
Eine beredte Pause.
‘Ja, ich weiß, das ist ein scheißlahmer Krapfen, der kaum den Berg gescheit hochkommt.’ sagt die Pause.
‘Ich fände es aber trotzdem gut, wenn wir zusammen fahren würden, auch wenn du dich zu Tode langweilst’ sagt sie auch. Der kleine Zyniker in mir meint auch immer noch ein ‘wenn du mitfährst, kommen wir wenigstens sicher mit EINEM Motorrad nach Hause’ zu hören, aber das bilde ich mir bestimmt nur ein.
Selbstverständlich fahre ich gerne mit, denn zum einen holt Helmut selbst aus dem alten Eimer noch so etwas wie Motorrad fahren raus, zum zweiten sind mit Sicherheit die Pausen unterhaltsam, zum dritten würde ich solche Touren für so einen guten Freund auch mit seiner 50er machen (und hoffen, dass keiner meiner Freunde das zum Anlass nimmt, sich eine zuzulegen) und zum guten Schluss kann man eine Tour auch so planen, dass beide auf ihre Kosten kommen.
“Um neun im Stattcafé zur weiteren Besprechung?”
Machen wir. [...]
Ich fahre ja gar nicht sooo schnell Motorrad.
Kann ich auch gar nicht.
Also, richtig schnell.
Aber das war heute nicht gefragt, als ich mit Helmut zum Kornsand getuckert bin. Also ich bin getuckert (kann ein Navi auch Filme abspielen?), Helmut auf AK mit vibrierenden Fingern/Armen/Oberkörpern (äh?)…
Selbst sein sonst so prall gefülltes Hirn war nach ein paar Minuten auf der B43 so durchgeschüttelt, dass er fragte: ‘Dafür dass wir nach deinem Navi keine Autobahn fahren, fahren wir verdammt viel Autobahn (*meep* falsch, kein cm Autobahn, aber egal *g*).
Jedenfalls sind wir nach einer gemütlichen Überlandtour (Spitzengeschwindigkeit 93 km/h [NSU] oder ein wenig mehr [VFR]) gegen 11:00 Uhr beim Kornsand aufgeschlagen, wo es viele lustige Herren mit weißen Bärten, schwarzen Sonnenbrillen und zumeist uralten Krädern zweifelhafter Provinienz und Zustandes gibt. Eines haben alle gemeinsam: Schwarze Brühe. Die alten Herren kippen sie tassenweise in sich rein, die alten Kräder pissen sie tröpfchenweise auf den Boden. Allerdings riechen die alten Herren geringfügig besser als ihre zweirädrigen Untersätze, was ich bei der Rückfahrt besonders zu würdigen wusste (die NSU riecht nicht nur, sie schießt auch. Vorzugsweise auf Radler, also in bester drm-Tradition, lässt sie Fehlzündungsschläge los, die so manchen Kanonenschlag erbleichen ließen…).
Also am Kornsand ist es wirklich beschaulich und man steht nur unwesentlich langsamer rum, als hinter der NSU herzupöttern. Helmut wollte/wusste einen anderen Weg als das Navi und deshalb musste ich hinterher fahren (und Teile auflesen, dachte ich, aber das wurde konsequent vermieden. Der alte Hobel ist erstaunlich standfest, das waren fast 100km alles in allem. Navi-Programmierung beim Fahren schafft Erfahrungswerte…). Spitzengeschwindigkeit: 95 km/h (NSU), 186 km/h (VFR, ich bin zum Schluss auch ein wenig alleine unterwegs gewesen…)
Achso, Fotos beim Fahren wurden auch gemacht, zumindest eines *ggg*
Der Rest vom Tag gestaltete sich dann karfreitäglich-heiß angenehm, ein paar Bier auf dem Schlossplatz, ein toller Salat und ein lockerer Abend zuhause…