Mein Kopf gehört …

… festgetackert, weil er sonst vor lauter Schütteln irgendwann noch runterfällt…

Was ist passiert?

Das Handelsblatt veröffentlichte gestern einen Artikel unter dem Titel ‘Mein Kopf gehört mir’1.
Kernthema: Die Piraten wollen das Urheberrecht abschaffen, die Künster unter die Brücke zwingen und dergleichen mehr.
Dazu versichern die Macher des Blattes sich 100 Menschen aus den Rubriken ‘Künstler’, ‘Kreative’, Topmanager und Politiker, denen man (bis auf letztere) durchaus zutrauen darf, sich selbstständig informieren zu können oder – beispielsweise die sich willig instrumentalisieren lassenden Schriftsteller – eine gewisse Befähigung zur Recherche zu haben.

Leider werden selbst die geringen Erwartungen enttäuscht, es werden wider besseren Wissens Lügen und Hetze auf unterstem Niveau abgesondert.

Das Schlimme daran ist, dass auf Seiten der Piraten und aller anderen, die die Zeitenwende nicht mit Macht ignorieren wollen, langsam nur noch Bedauern einkehrt.
Warum sollten wir euch erzählen, dass wir keineswegs das Urheberrecht abschaffen wollen, wenn ihr uns das immer wieder entgegen brüllt, …
Warum sollten wir euch erzählen, dass wir mit euch an einem fairen Interessenausgleich arbeiten wollen, wenn ihr die Hand derer leckt, die euch den Hals zudrücken und behaupten, es wäre die Schuld des Internets –  nur, weil sie sich nicht verändern wollen und ignorieren, dass ihr (und damit euer) Geschäftsmodell gerade mit Hochgeschwindigkeit an die Wand fährt…2

Dirk von Gehlen macht es deutlich: “Die Realität ist für das Urheberrecht bedrohlicher als die Piraten.”

Die digitale Revolution ist schon längst gelaufen, die digitale Kopie wird nicht wieder verschwinden. Auch nicht, wenn eine ganze Industrie mit ihren sämtlichen Kulturschaffenden den Otter gibt.

Den besten Kommentar zum Handelsblatt-Disaster3 hat meiner Ansicht nach Thomas Knuewer geschrieben und Jens Scholz erläutert, warum das Schlagwort von der Kostenloskultur so peinlich und daneben ist.
“Kunst, die zwingen will, macht sich selbst obsolet.” sagt @zeitweise (der ohnehin schon ein Gedicht zu lesen ist :-) )

Apropos kostenlos: Wahlwerbung kostenlos wie in diesem Fall vom Handelsblatt nehmen wir gerne. Die letzten Wochen haben ja mit Sven Regener4 und dem Cicero (Popcorn-Alarm) schon gute Zuwächse gebracht ;-)

Weiter so, Qualitätsmedien!5

Links zum Thema (wird ständig erweitert):
http://www.stefan-niggemeier.de/blog/euren-kopf-habt-ihr-laengst-verloren/
http://winfuture.de/news,69018.html
http://netzpolitik.org/2012/%E2%80%9Emein-kopf-gehort-mir-kampagnen%E2%80%9Ejournalismus-vom-feinsten/
http://www.metronaut.de/2012/04/urheberrecht-handelsblatt-im-schuetzengraben/
http://kathinka.wenzlinge.de/blog/?p=1052
http://www.137b.org/?p=2427
http://katrinhilger.wordpress.com/2012/04/05/ich-glaub-es-hackt-was-fur-eine-kampagne/
http://www.internet-law.de/2012/03/wie-das-handelsblatt-mit-autoren-umgeht.html
http://brunokramm.wordpress.com/2012/04/05/kommentar-zu-mein-kopf-gehort-mir/
http://www.neunetz.com/2012/04/05/die-komplette-selbstdemontage-des-handelsblatt/ 

 

 


  1. Nein, auf diese schräge Stück Schmierenjournalismus verlinke ich nicht, diese Form des Respekts ist nicht angebracht. Wer’s braucht, findet’s bei Google
  2. und doch sagen wir es euch auch weiterhin.
  3. und dieser wunderschönen Blacklist… – wann outen sich schon mal über 100 Leute, dass sie sich für Geld zu jeder Aussage bewegen lassen, egal wie falsch, niederträchtig und verlogen die auch sein mag
  4. der in einer Verfilmung von ‘The Copyright Wars’ meinethalben den Lord Helmchen spielen kann und nein, der kriegt auch keinen Link und keine Sekunde Playtime mehr bei mir
  5. Oder, wie in den wunderschönen Comics über den Spätlesereiter von Michael Apitz und Patrick Kunkel mal gesagt wurde: “Sauber Herr Hauptmann. Mitten auf die Faust!”